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Oktober 21st, 2010 - 18:37 § in Ayuda directa, Verschiedenes

Kolumbien ist Kolumbien und der Rest ist Hinterland*

Neben Lukas (siehe http://alegro-ecuador.de/?p=652) waren auch Jan und ich in Kolumbien. Diesem Trip moechte auch ich noch einige Zeilen widmen. Um den Artikel etwas zu beleben, habe ich den Text in normalgedruckte Infoabschnitte und kursivgedruckte Erlebnisse unterteilt. Viel Spaß beim Lesen.

Ende Juni stieg ich in einen Bus, der mich an die ecuadorianisch-kolumbianische Grenze brachte. Mit meinem Visastempel im Reisepass ging es dann per Bus nach Bogotá. Dort traf ich mich auch mit Jan. Bogotá selbst konnte uns nicht so wirklich ansprechen, denn trotz unseres Engagements in der Couch-Surfing-Community (www.couchsurfing.org – ein Netzwerk, in dem Mitglieder sich gegenseitig rund um den Globus Schlafmoeglichkeiten umsonst anbieten) fanden wir nur eine Bleibe im Hostal. Was in einer 9-Millionen-Stadt richtig unangenehm sein kann, denn man kennt ja nichts. Rettend war für uns dann das größte Rockfestivals Lateinamerikas. An drei Tagen wurde dort von Metal und Punk, über Rock, bis hin zu Reggae und HipHop viel geboten und ordentlich gefeiert. Der Spaß war sogar noch umsonst, es konnte uns also niemand halten. Besonders eindrucksvoll war der Auftritt der englischen Mulit-Kulti-Combo „Asian Dub Foundation“. (Mehr zu finden unter www.rockalparque.gov.co)

[Eingangskontrollen bei Rock Al Parque] „Genial. Schau mal wie wenig hier los ist“, fröhnt Jan, als wir uns langsam dem Eingang zum Festivalgelände nähern. Auch ich bin glücklich: „Ja, haben wir also auch mal Glück. – Was sagen denn die Bullen, zur Kontrolle.“ „Keine Ahnung, lass uns das mal klären.“ Wir nähern uns den aufgestellten Zäunen und erkundigen uns bei einem Polizisten. „Was? Die haben wohl nen Knall, weshalb lassen die uns nicht mit Gürtel und den leckeren Feigen rein.“ – „Was für Idioten! He, aber lass uns mal nochmal nachfragen, weshalb und ob es vielleicht Ausnahmen gibt.“ Und tatsächlich, die gibt es und wir kommen durch. „Hahaha, was für Opfer.“ – „Sach mal wie konnten die denn nicht checken, dass wir den Gürtel unter der Jeans hatten.“ – „Ach kein Plan, aber cool wie der Bulle seine Kollegen übers Ohr gehauen hat.“

Stark unbefriedigt durch schlechtes Wetter (Regen), durch unser Orientierungslosigkeit in der Größe Bogotás und durch das Hostal-Leben, entschieden wir uns dann am letzten Tag des Festivals, fruehzeitig weiterzureisen, Richtung Karibik. Wir traeumten schon von herrlicher Waerme und schoenen Straenden. In StMarta angekommen traf uns aber erst einmal eine feuchte Hitzwelle. Heißer und drueckender habe ich es nie empfunden.

Um die Schoenheit der Karibik zu genießen, begaben wir uns in den Nationalpark „Tayrona“. Landschaftlich wurden unsere Ahnung bestaetigt, weißer Sand, Palmen und tuerkisblaues Wasser, aber teuer. Tja und was machen Jan und Frieder, wenn sie keine Lust haben 15€ für eine Haengematte zu zahlen? Sie schlafen illegal am Strand, was wiederum für uns beide eine Nacht voll Stress bedeutete, da wir die Ordnungshueter und deren Strafgelder nahen ahnten. Derweil fanden wir korrekt, was wir taten, da wir weder Muell (die Plastiktueten wollte man uns im voraus schon abnehmen) hinterließen, noch in irgendeiner Weise der Natur einen Schaden zufuegten und wir sind ja ueberhaupt ganz friedliche Gestalten.

[Szene zur Reiseplanung] „Und was machen wir jetzt?“ – „Ach, lass uns mal zum Strand gehen und mal den Fischmarkt anschauen.“ – „Ah mensch, wir könnten doch heute abend am Strand grillen.“ – „Gute Idee. Und danach pennen wir auch dort.“ – „Lass machen.“ Wir gehen also los, aber was passiert als wir den Strand erreichen? Es fängt an zu regnen – Grillen entfällt, am Strand schlafen wir trotzdem.

Auch an der Kueste hatte es nicht mit „CouchSurfing“ geklappt, umso erfreuter waren wir dann eine positive Rueckmeldung fuer Medellin, die zweitgroeßte Stadt Kolumbiens, zu bekommen. Wir wurden sogar abgeholt und dann ging es aber erst mal weit aus der Stadt hinaus. Aber das war nicht weiter schlimm, denn unser Gastgeber war ein toller Kerl: 30jaehrig, organisiert Dokumentarfilme und ein kleine wandelnde Enzyklopaedie zu kolombianischer Geschichte und Politik. Außerdem begnadeter Koch fuer Schokodrinks. Und so sahen wir einige schoene Ecken in Medellin, wo ich dann auch glaubte zum ersten Mal mein Klischee vom lateinamerikanischen Viertel bestaetigt zu bekommen.

[Anlässlich der Feierlichkeiten zum 200. Jahrestag der Unabhängigkeit Kolumbiens] Unser Gastgeber meint schon den ganzen Tag: „200Jahre Freiheit, das ich nicht lache. Aber schaut her Jungs, heute Mittag gibt es ein großes Anti-Militarismus-Konzert. Geht dahin!“ Wir machen uns also auf die Socken und treffen auf eine bunte Szenerie mit ca. 1000Besuchern. „Mensch, weshalb sind wir eigentlich hier, während ganz Medellin ein Riesen-Event feiert?“ – „Ach, mir gefällts. Atmosphärisch ist es doch echt genial und hast du wirklich Lust auf die eklige Nationen-Abgefeier?“ Und darauf entbricht eine hitzige Diskussion über Patriotismus.

Nach einer Woche jeden morgen heiße Schokolade und Arepas (Maisfladen) machten wir uns wieder auf in die drittgroeßte Stadt Kolumbiens und gleichzeitig Hauptstadt des Salsas, nach Calí. Perfekte Voraussetzung um es am Ende unserer Reise noch richtig krachen zu lassen. Und so gaben wir uns drei Tage Salsa-Parties, um dann wieder voller Emotionen fuer Ecuador zurueckzufahren.

[Telefonat zwischen Jan und mir nach seinem ersten Abend in Cali] „Alter, hier geht echt voll die Party. Du kannst es dir nicht vorstellen.“ – „Ja, schick. Dann werde ich auf jeden Fall morgen kommen.“ – „Mach das auf jeden Fall. Und he, las caleñas son como las flores.” - „Ja, ja und Cali ist Cali und der Rest ist Hinterland.“

Zusammenfassend hat sich die Reise also wirklich gelohnt.

*Die Überschrift ist eine Ableitung des Spruches “Cali es Cali y lo demas es loma.” (dt.=Cali ist Cali und der Rest ist Berg), der in Bezug auf die Party-Aktivitäten in der Salsa-Metropole Cali verwendet wird.


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